Walls Of Fire (DE)

Nach dem Überraschungserfolg ihres Debütalbums „Out Of Myself“ ging für Riverside alles sehr schnell. Die band konnte beim prestigereichen ProgPower Europe Festival antreten, schloss direkt darauf folgend eine Tour an und konnte danach die Zahl der Fans um ein Vielfaches steigern. Nun, nur kurze Zeit später, folgt mit „Second Life Syndrome“ der zweite und etwas rauere Teil der bandeigenen Trilogie, und wiederum ist es den Polen gelungen, ein richtig starkes, durchweg überzeugendes Album zu kreieren, das von seinen wunderbaren Stimmungen zehrt und selbst den ganz großen Namen im Genre den Kampf ansagt. Kurz vor Ende des Jahres meldet sich nun Sänger und Bassist Mariusz Duda zu Wort und verrät das Geheimnis hinter dem Sound der polnischen Progressive-Metal-Pioniere:

Ihr habt euch nicht gerade viel Zeit gelassen, um den Nachfolger von “Out Of Myself” einzuspielen. Gerade mal ein Jahr ist seit eurem letzten Album vergangen. Ihr scheint euch ja keine echten Ruhepausen zu gönnen…
…nein, nein, haha! Wir hatten dieses Mal sogar etwas mehr Zeit, weil unser Debüt in Polen bereits Ende 2003 veröffentlicht wurde. Die Laser’s Edge-Version hingegen kam erst zehn Monate später auf den Markt. Obwohl wir in dieser Zeit recht viele Konzerte gespielt haben, wurde zwischendurch noch die „Voices In My Head“-EP eingespielt, aber dennoch hatten wir mehr als ein Jahr Zeit.

Sind denn auf dem neuen Album auch Ideen verwendet worden, die bereits für das letzte Album bereit standen?
Es gibt einige Tracks auf „Second Life Syndrome“, die bereits komponiert wurden, bevor wir „Out Of Myself“ aufgenommen haben. Aber sie waren eine Spur zu heftig, weshalb wir entschieden, sie nicht für das erste Album zu benutzen. Eine dieser Nummern ist „Dance With The Shadow“, auch wenn sich dort einige Arrangements geändert haben. Die andere Komposition ist das Instrumentalstück „The Piece Reflecting The Mental State…“, das man auf unserer Single zu „Conceiving You“ finden kann.

Euer letztes Album ist allgemein sehr gut aufgenommen worden. Sowohl Presse als auch Fans waren auf Anhieb von euren Qualitäten überzeugt. Hat euch das anfangs überrascht?
Ja, der Erfolg von „out Of Myself“ kam für alle überraschend. Wir hätten niemals gedacht, dass wir mit unserer Musik so viele Leute erreichen könnten, und das sowohl hinsichtlich derjenigen, die 70er-Progressive-Rock mögen, als auch im Hinblick auf die Leute, die eigentlich gar nicht so auf progressive Rockmusik stehen. Die Reaktionen der Fans, die Kommentare, die Briefe, das Feedback der Presse und der Musikjournalisten – unser Debütalbum hat praktisch überall tolle Reaktionen erfahren! Das war großartig, und einen besseren Start hätte man sich gar nicht wünschen können.

Welche Erwartungen hattet ihr denn dieses Mal?
Oh, da teilen sich unsere Meinungen, haha! Wir erwarteten einige kontroverse Kommentare, weil sich das Album doch ziemlich von „Out Of Myself“ unterscheidet. Aber wir wollten ja auch ein anderes Album machen, denn uns war es wichtig, zu zeigen, dass Riverside mehr als nur eine One-Album-Band sind.

Nach eurem Debüt ging es ja recht flott: Ihr seid auf Tour gegangen und habt den Deal mit Inside Out eingefahren. Was kannst du mir über die Shows, die ihr hierzu gespielt habt, erzählen?
Wir beschlossen, nach unserem Auftritt beim ProgPower in den Niederlanden durch Europa zu touren, und diese Tour war nicht nur eine einmalige Erfahrung für uns als Band, sodnern auch ein großes Abenteuer. Wir haben eine Menge interessanter Leute getroffen und konnten gleichzeitig in einigen tollen Clubs spielen. Außerdem trafen wir einige neue Freunde, dank denen wir in diesem Herbst einige weitere Shows spielen durften.

Wir habt ihr denn die Spielzeit während euerer Shows ‚gefüllt’? Habt ihr auch Coversongs gespielt?
Auf unserer ersten Tour haben wir einige Songs des Debüts sowie Rohversionen der neuen Songs, jedoch manchmal mit anderen Texten, gespielt. Dort konnten wir auch die neuen Sachen testen und entsprechend ummodellieren.

An welchem Punkt sind Inside Out dann an euch herangetreten?
Nach der Tour schickten wir ihnen unsere beiden bisherigen Veröffentlichungen. Sie hörten sich den Stoff an, mochten ihn sofort, glaubten, dass wir einen erfolgreichen Weg gehen werden, und nahmen uns unter Vertrag.

Habt ihr denn deswegen auch einen gewissen Druck verspürt? Immerhin wissen die Leute nun, was sie von einer Band wie Riverside erwarten können.
Ja, natürlich, schließlich schossen die Erwartungen unserer neuen Fans schlagartig in die Höhe. Wenn ein Album Erfolg hat, löst es gleichzeitig auch einen gewissen Appetit für den Nachfolger aus, das ist nur natürlich. Der Druck war da, aber wir hatten die Ideen für das neue Album schon länger parat, und das half uns sehr gut dabei, mit diesem Druck umzugehen. Ich habe sehr viele Punkte niedergeschrieben, nach denen wir uns bei den Aufnahmen letztendlich auch richteten. Meine Ambition ist es, die Trilogie auf einem konstant hohen Level zu halten und so die Alben auch unterschiedlich zu gestalten. Es sind drei Einsichten in die menschliche Seele, und so muss jedes Album von neuem eine Überraschung sein.

Und wie schaut’s nun aus? Sind die Fans ähnlich euphorisch wie beim Vorgänger?
Ich hoffe doch, haha! Wir wussten, dass wir mit dem Aufnehmen eines zweiten “Out Of Myself” sehr viele Fans zufrieden stellen könnten, aber wir wollten uns nicht kopieren. Ein andersartiges Album ist sicher ein Risiko, aber das wollten wir auf jeden Fall eingehen. Der zweite Part der Trilogie sollte etwas herber ausfallen; wir wollten mehr Düsternis und mehr Aggression innerhalb der Musik. Deswegen gaben wir die einprägsamen Melodien und die Ideen von einem klaren Sound auf. Es gibt dieses Mal mehr übersteuerte Gitarren, ein viel natürlicheres Keyboard, das mit einer Hammond-Orgel oder einem Piano vergleichbar ist, und aggressivere Vocals. Der punkt war, ein anderes Album zu kreieren, bei dem man dennoch klar erkennen konnte, dass es von Riverside stammt. Und ich hoffe, dass diese Tatsache unsere Hörerschaft überzeugen kann!

Gut, dann reden wir mal über dieses Album. Es heißt „Second Life Syndrome“. Was ist hiermit gemeint?
Ich dachte, wenn wir uns dem “Zweiten-Album-Syndrom” widmeten, dann könnte die Story gleichzeitig auch das “Second Life Syndrome” erfahren.

Und wie wirkt sich dies auf das Konzept eurer Geschichte aus?
Es ist eine Story, die sich in drei Teile gliedert. Sie erzählt von einem einsamen Mann auf der Suche nach seinem Seelenleben und ist in etwa aufgebaut wie die Seiten eines Tagebuchs. Die Erzählung beginnt direkt im Anschluss der Handlung von „Out Of Myself“ und endet vor dem dritten und letzten Part. Bei „Out Of Myself“ versuchte er eine Beziehung zu einer geliebten Frau aufzubauen, doch wegen seiner Einstellung und seiner Attitüde fiel all das, was sich zwischen ihnen entwickelt hat, wieder auseinander. Wie auch immer; er hat es dennoch hinbekommen, seinen inneren Frieden zu finden. Im zweiten Teil arbeitet er dann an seinem Selbstbewusstsein und möchte ein gefestigter, starker Kerl werden. Er löscht die Begebenheiten aus der Vergangenheit, die ihn davor bewahrt haben, ‚normal zu funktionieren’, vollständig aus seiner Erinnerung. Doch noch immer fühlt er sich einsam. Er stellt sich ständig die gleichen Fragen, und ich denke, dass er die meisten Antworten darauf im letzten Part der Story finden wird.

Rein musikalisch lässt sich das Ganze schwer einordnen, weil es auch auf den verschiedensten Inhalten basiert. In meiner Rezension habe ich euch als eine Mixtur aus Tool, Porcupine Tree und Opeth beschrieben. Was hältst du hiervon?
Mir gefällt es eigentlich nicht, Musik in Schubladen zu stecken oder Vergleiche mit anderen Bands anzustellen, aber ich habe mich damit abgefunden. Die Leute werden dich immer mit anderen Gruppen vergleichen, weil es die Charakterisierung der Musik erleichtert. Man muss ja auch akzeptieren, dass die Plattenfirma aus kommerziellen Gründen einen Sticker auf dein Album presst, auf dem dann Namen stehen, auf die in jedem Interview die Sprache kommt, haha. Ich persönlich habe aber gegen deine Vergleiche nichts, denn es handelt sich bei den genannten Gruppen um sehr talentierte Bands. Ich denke, dass diese Musik auch die „Musik der Kontraste“ genannt werden kann. Unsere Musik basiert ebenfalls auf Kontrasten, doch wir machen es auf unsere eigene Weise. Wir haben sowohl lange, als auch kurze Kompositionen, sowohl softe Balladen, als auch echte Heavy-Metal-Nummern. Songs mit simplen Rhythmen ebenso wie nicht standardisierte Metren. Gefühlvolle und aggressive Vocals. Unsere Musik ist eine Ansammlung von Emotionen. Es ist Freude und Traurigkeit, ein Flüstern und ein lauter Schrei.

Hatte denn trotzdem eine dieser Bands einen gewissen Einfluss auf die Musik von Riverside?
Ich denke schon, dass sie in gewisser Weise einen Einfluss auf uns hatten, aber nicht mehr oder weniger als die übrigen Bands, die wir uns anhören. Als wir die Band gegründet haben, hatten wir bereits so manches an Erfahrung sammeln können, und wir waren jetzt nicht exzessiv enthusiastisch was die Musik unserer Idole betraf. Es spielt auch keine Rolle, in welche Richtung die Bands, mit denen wir verglichen werden, tendieren – wir müssen unseren eigenen Weg gehen!

Und welche Einflüsse bieten allgemein die Basis für den Sound von Riverside?
Wir spielen, was wir fühlen, und daher kommt die Inspiration von allem, was uns umgibt. Das muss nicht zwingend Musik sein, sondern kann sich auch an Büchern oder Filmen orientieren. Das hängt auch alles von der Zeit, dem Ort und unserer gegenwärtigen Lebenssituation ab. All das wird in unserer Musik reflektiert.

Für eine Band aus Polen ist es sicherlich nicht besonders einfach, sich international zu etablieren. Habt ihr diesbezüglich schon einige Hürden bewältigen müssen, die euch mit anderen Startbedingungen erst gar nicht gestellt worden wären?
Dieser Tage ist es generell sehr schwer, sich Präsenz im Musikbusiness zu verschaffen, da spielt es gar keine Rolle, ob man nun aus Polen oder aus irgendeinem anderen Land kommt. Es spielen viele Komponenten eine Rolle, wenn es darum geht, Erfolg zu haben. Man muss in erster Linie Glück haben: Man muss zur richtigen Zeit mit dem richtigen Sound auftauchen, und die Musik muss die Hörer überzeugen. Ich denke, dass diese beiden Bedingungen in unserem speziellen Fall eingetreten sind.

Wie ist es euch denn seinerzeit gelungen, die erforderliche Präsenz zu bekommen?
Mittloff und Grudzien kannten sich schon längere Zeit und setzten die Dinge in Gang. Sie hielten nach einem Line-Up Ausschau und begannen, gemeinsam zu proben. Ich habe davon zufällig erfahren und habe mich bei ihrer ersten oder zweiten probe mit ihnen getroffen. Das war Ende 2001. Wir kamen alle aus total unterschiedlichen Welten und haben uns zur selben Zeit am selben Ort eingefunden. Unsere musikalische Erfahrung beschränkte sich zu dieser Zeit auch einzig und allein auf das, was bei den Proben passierte. Riverside mit seiner Progressive-Metal-Ausrichtung war das musikalische Ziel von uns allen. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, ist das alles wirklich nur aufgrund einer Aneinanderreihung von Zufällen entstanden. Und ehrlich gesagt haben wir uns erst in dem Moment, in dem unser Keyboarder Michal bei uns einstieg, und in dem „Out Of Myself“ veröffentlicht wurde – also gut zwei Jahre später – als richtige Band gefühlt.

Es ist für eine polnische Band recht ungewöhnlich, progressive Musik zu spielen. Die meisten bekannten Acts aus eurem Land spielen eher extremen Metal. Seid ihr die einzige progressive Metal-Band aus Polen, oder gibt es da auch noch andere Gruppen, die du unseren Lesern empfehlen würdest?
Es gibt nur sehr wenige Bands in Polen, die ähnliche Musik wie Riverside spielen, so zum Beispiel Quidam. Sie klingen jedoch ein wenig anders, weniger aggressiv, aber dennoch sehr interessant. Aber der polnische Markt scheint momentan sowieso langsam aufzutauen. Es kommt Bewegung in die Szene, und insgeheim hoffe ich, dass unser Land eines Tages nicht mehr nur für extremen Metal bekannt sein wird.

Wie war s denn bislang um die heimische Musikszene bestellt?
Die polnische Musikszene – und ich denke, das gilt für die Szene in beinahe allen Ländern – wird von Popmusik dominiert. Unglücklicherweise spielen Hip Hop und das viele Geld der Major-Labels dabei eine wesentliche Rolle. Die lokale Szene ist seit Jahren in der Hand derselben Leute… aber darüber möchte ich an dieser Stelle nicht reden, weil mich das aus der Fassung bringen könnte. Ich hoffe einfach nur, dass sich an der Situation schon sehr bald etwas ändern wird.

Gut, dann reden wir lieber über erfreulichere Dinge. Daher die Frage: Wann wird man euch wieder auf der Bühne sehen können?
Wir planen für April/Mai 2006 die „Second Live Syndrome“-Tour. Dabei wollen wir an Orten spielen, dir wir bislang noch nicht zu Gesicht bekommen haben, und natürlich wollen wir auch zu den Zuschauern zurückkehren, die uns so herzlich willkommen geheißen haben. Bei dieser Tour werden wir natürlich auch Songs von sämtlichen Alben spielen!

Bei Inside Out Out sollte es ja auch viele Bands geben, die für eine gemeinsame Tour reizvoll wären. Habt ihr vielleicht einen Wunschkandidaten, was dies anbelangt?
Natürlich hoffe ich, dass unser Kooperation mit Inside Out uns neue Möglichkeiten für Konzerte einbringen wird. Vielleicht werden wir ja mit einer bekannten Band auf Tour gehen, das wird sich zeigen. Und ja, es gibt einige Gruppen, mit denen wir gerne touren würden, aber hierzu werde ich jetzt noch nichts verraten…

Was können wir sonst noch von Riverside erwarten?
Wir werden uns erstmal auf die anstehende Tour vorbereiten und währenddessen natürlich auch schon Material für den dritten Teil der Trilogie sammeln!

Gibt es denn schon einige Ideen zu neuen Songs?
Ja, es existieren schon einzeln Vorstellungen, doch alels, was ich dir hierzu sagen kann, ist, dass sich das Album von den vorangegangenen Releases unterscheiden wird, dem Riverside-Stil aber natürlich treu bleiben wird. Der erste Teil der Trilogie war sehr poetisch, der zweite düster und aggressiv, und der dritte Part wird wahrscheinlich sehr nachdenklich, aber auch optimistisch werden. Wir werden sicherlich die Proportionen zwischen harten und stimmungsvollen Sounds beibehalten. Und natürlich werden wir alles daran setzen, das gute Level bis zum Ende hin konstant zu halten.

Glaubst du denn, dass euer bisheriges Release-Tempo auch in Zukunft so hoch sein wird?
Nun, ich kann es nicht versprechen. Wir wollen im nächsten Jahr viele Konzerte spielen, weshalb ich glaube, dass wir schon 2006 ein neues Album aufnehmen werden. 2007 ist ein realistischer Termin für das nächste Album.

Gibt es noch etwas hinzuzufügen?
Ich grüße alle Walls Of Fire-Leser und unsere Fans in Deutschland. Wir wedren uns schon sehr bald auf Tour wiedersehen!

Interviewee

M.DUDA

Interviewed

deadnextdoor

Date

2005-12-01
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