SoNGS - metalglory.de (DE)

Ich weiß nicht, ob ich der Richtige für die Rezension dieses Albums bin, denn ich bin weder Prog-Rock und – Metal-Experte und das Einzige, was mich unweigerlich an diese polnische Ausnahmeformation bindet, ist ein unglaublich intensives Debut namens “Out Of Myself” aus dem Jahr 2003, an welchem sich alles was danach kommt messen lassen muss. Zu allem Überfluss habe ich mich seither auch nicht mehr wirklich mit diesem Quartett und seinem musikalischen Folgewerk auseinandergesetzt.

Doch alle Befürchtungen sind nach einer Woche intensiver Auseinandersetzung mit “Shrine Of New Generation Slaves” getilgt. Ich erkenne RIVERSIDE zehn Jahre nach “Out Of Myself” und drei weitere Langrillen später immer noch wieder und bin einmal mehr begeistert, auch wenn die Polen unüberhörbar erwachsen geworden und musikalisch gereift sind. Unverbraucht klingen sie deshalb aber mitnichten. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Das Quartett um den gesanglich völlig losgelöst und von allen Konventionen befreit agierenden Frontmann Mariusz Duda geht im Gegensatz zum trist-melancholischen Titel sowie dem eindrucksvollen Travis Smith – Cover so farbenfroh und facettenreich wie kaum eine andere Band zu Werke.

Stilistisch bekommt der Prog-/Classic-Rock- und Metalfan von RIVERSIDE eine Bandbreite zu einer stimmigen Einheit verschmolzen, die von den Doors bis Tool, von Genesis bis Dream Theater, von Pink Floyd bis Opeth oder von Porcupine Tree bis Deep Purple reicht. Lanziert wird diese Vielfalt von Ausflügen in Ambient, Jazz und Lounge-Gefilde, aus denen Café Del Mar mit den Passatwinden grüßen lassen.

Dabei ist das Album musikalisch komplex, ohne dass dabei die Funktion der Songs aus den Augen verloren wurde, es ist handwerklich anspruchsvoll, ohne den Hörer zu überfordern. Es ist so mitreißend emotional-zerbrechlich und trotzdem vermag “Shrine Of New Generation Slaves” zum richtigen Zeitpunkt gewaltig zu rocken und Arsch zu treten. Der Sound dieses Werks, das mit jedem Durchlauf wächst und mehr von seiner Klasse offenbart, ist modern, kristallklar und doch kraftvoll. Vor allem aber hat dieses Klangerlebnis Charakter und Wiedererkennungswert.

“Shrine Of New Generation Slaves” sollte man auf jeden Fall gehört haben und nach Adam Malysz sind RIVERSIDE Polens sympathischster Export mit wahren Überfliegerqualitäten.

Publication

2013-01-11

Reviewer

Jens
9/10
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