SoNGS - myrevelations.de (DE)

Mit ihrem letzten Studioalbum "Anno Domini High Definion" hatten sich RIVERSIDE einen großen Schritt von ihrer atmosphärischen "Reality Dream"-Trilogie entfernt und setzten auf härtere und hektischere Töne. Zwar stand den Polen auch dies gut zu Gesicht, man vermisste ihren Signaturesound jedoch schmerzlich. Mit der "Memories In My Head"-EP ruderten sie im letzten Jahr kräftig zurück und präsentierten sich im alten Klanggewand. Dementsprechend konnte man neugierig sein, wie RIVERSIDE auf ihrem neuen Full Length-Epos klingen würden, zumal Mainman Mariusz Duda sich mit seinem Soloprojekt Lunatic Soul zuletzt in eine gänzlich andere Richtung entwickelte.

Um es gleich vorweg zu nehmen, ist "Shrine Of New Generation Slaves" für mich eine gelungene Synthese aus "Anno Domini" und "Reality Dream" geworden. Schon beim Opener "New Generation Slave", der nach einer atmosphärischen Einleitung richtig flott durchstartet, wird dies überdeutlich. Man merkt, dass hier eine gewisse Grooveorientierung Vater des Gedanken war. Wer die Band schonmal live erleben durfte, weiß, dass dies gerade auf der Bühne ein Markenzeichen von RIVERSIDE ist. Mit "The Depth Of Self-Delusion", das von Piotr Grudzi?skis wunderschönen Gitarrenharmonien und Dudas emotionalem Gesang lebt, folgt gleich der erste Höhepunkt des Albums.

Insgesamt ist "SONGS" (Welch treffendes Akronym!) unheimlich abwechslungsreich ausgefallen. Sei es das überraschende Klarinettensolo in "Deprived", das orientalische Riff in "Celebrity Touch" oder der clevere Aufbau des Longtracks "Escalator Shrine" (12:41), dieses Album birgt eine Vielzahl von Juwelen, die es zu entdecken gilt. An den Songtiteln lässt sich bereits das lyrische Konzept ablesen, das sich mit dem Phänomen beschäftigt, dass viele Menschen sich heutzutage im Hamsterrad ihres Lebens gefangen fühlen und trotz aller modernen Annehmlichkeiten ziemlich unglücklich sind. Da man wieder ins Serakos Studio nach Warschau zurückgekehrt ist, klingt "SONGS" wesentlich dichter als sein Vorgänger. Selbst beim Cover ist man zur altbewährten Düsterheit der Anfangstage zurückgekehrt. RIVERSIDE sind stärker als je zuvor und treten mit diesem Album endgültig aus dem Schatten ihrer vermeintlichen Vorbilder Porcupine Tree.

Publication

2013-01-07

Reviewer

Alexander Meyer
14/15
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